Sonstige

 

Occulta

 

Vor hunderten von Jahren lebten in einem kleinen Dorf eine Frau und ein Mann, die hatten zwei Töchter. Beide Töchter waren blind, die Eltern jedoch wünschten sich ein kluges und gesundes Kind. Aus diesem Grund suchten sie eine Wahrsagerin auf, die ihnen ein dickes, in Leder gebundenes Buch gab. Sie sagte, dass man in dem Buch für jede gute Eigenschaft einen Namen finden könnte, den man seinem Kind geben müsse. Die Eltern zahlten einen hohen Preis für das Buch und wählten den Namen Occulta aus, der ihrem Kind übernatürlich gute Augen geben sollte. Die Wahrsagerin aber hatte sie betrogen, und als die dritte Tochter zur Welt kam, mussten die Eltern feststellen, dass dort, wo Occultas Augen sein sollten, nur tiefe, schwarze Löcher waren. Occulta wuchs mit ihren ebenfalls blinden Schwestern auf, doch jedermann erschrak bei ihrem Anblick und als sie mit 80 Jahren im Sterben lag, schwor sie sich, ihre Augen zurückzuholen. So nahm sie einen Trank ein, der sie als Geist auf der Erde verweilen ließ, bis sie ihre Augen wieder hatte.

Viele Jahre später ging ein Mädchen namens Marie im Dunkeln von einer Party zurück. Sie wollte eine Abkürzung nehmen, eine schmale Gasse, die zwischen zwei Häusern hindurchführte. So lief sie los, wobei sie auf den Boden sah um nicht über alte Bretter und Kisten zu stolpern, doch plötzlich wurde ihr kalt, sie hatte das Gefühl, dass es dunkler wurde, und da überfiel sie Todesangst. Sie drehte sich um, rannte aus der Gasse und hielt erst an, als sie wieder auf der Hauptstraße war. Einige Zeit später kam Anastasia von der Party zurück, auch sie wollte die Abkürzung nehmen und in der Gasse spürte sie die merkwürdige Kälte. Trotzdem ging sie weiter, sah auf den Boden und erschrak fast zu Tode, als sie dort ein paar Füße gespenstisch einige Zentimeter über dem Boden schweben sah. Sie schrie auf und stürmte, ohne sich noch einmal umzusehen, aus der Gasse. Auch Mara kam - noch später - von der Party zurück und ging auf die enge Gasse zu. Sie ignorierte die Kälte, lief um eine Ecke und da sah sie den Geist der Occculta, mit den schwarzen Löchern im Gesicht. Sie konnte nicht anders, als hineinzustarren, immer weiter, bis Occulta sich abwandte und Mara stolperte hinaus auf die Straße zu ihrem Haus. Als sie am nächsten Morgen aufwachte, stellte sie fest, dass sie keine Augen mehr hatte, und um sie zurückzuholen, nahm sie einen Trak ein, durch den sie ein Geist wurde.Sie versteckte sich in einer dunklen Gasse und als ein Kind dort hineinging, nahm sie ihm die Augen. So ging es weiter und weiter, und vielleicht verirrst auch du dich eines Nachts in einer Gasse und wirst wie Occulta.

 

 

Verfasser: Smaja

überarbeitet von Smaja

 

 

Rot

 

Es war einmal ein Mann, der sich auf einer langen Reise befand. Einens Abends kam er zu einem Hotel und ließ sich von der Dame an der Rezeption ein Zimmer zuweisen. "Ich gebe Ihnen Zimmer 314, aber sie dürfen auf gar keinen Fall in Zimmer 315 gehen oder hineinsehen!", sagte diese. Der Mann ging in sein Zimmer, aber die Worte der Empfangsdame ließen ihm keine Ruhe und so schlich er schließlich den Gang entlang und sah durch das Schlüsselloch zu Zimmer 315. Er sah eine Frau, die ihm den Rücken zugewandt hatte, auf ihrem Bett sitzen. Sie hatte langes, schwarzes Haar und trug ein weißes Kleid. Der Mann fragte sich, weshalb er die Frau nicht sehen sollte und kam am nächsten Abend wieder. Doch diesmal konnte er nur die Farbe rot erkennen und meinte, die Frau hätte ihn bemerkt und das Schlüsselloch mit einem roten Zettel zugeklebt. Als er am folgenden Tag weiterreisen wollte, fragte er die Empfangsdame nach der Frau in Zimmer 315. Sie sah ihn lange und durchdringend an und sagte schließlich:"Diese Frau wurde vor 20 Jahren von ihrem Ehemann auf der Hochzeitsreise ermordet. Seitdem spukt sie in Zimmer 315 herum, denn dort geschah der Mord. Sie hat langes, schwarzes Haar, trägt ein weißes Kleid und ihre Augen sind rot..."

 

 

unbekannter Verfasser

überarbeitet von Marlendra

 

 

 

Der Leuchtturm                                                             

 

Vor langer Zeit machte ein Mann Urlaub an der Nordsee. Als er eines Abends, nach Einbruch der Dunkelheit, von einem Ausflug zurück kam, sah er oben auf einem Leuchtturm eine kleine Gestalt am Geländer stehen. Er dachte, es wäre vielleicht ein Kind, das sich verlaufen hätte und so stieg er den Leuchtturm hinauf und trat auf den ringförmigen Balkon. Nun konnte er die Gestalt genauer erkennen:

Ein kleines Mädchen, etwa sieben oder acht Jahre alt, lehnte sich weit über das Geländer und blickte nach unten. Sie trug ein langes, weißes Nachthemd, ihr Gesicht war schmutzig und während sie nach unten starrte, sagte sie, immer wieder, langsam und monoton: "Achtundzwanzig, achtundzwanzig, achtundzwanzig..."

Der Mann beobachtete sie eine Weile, dann fragte er sie, was sie da unten betrachtete. Das Mädchen sagte ihm, er solle näher herankommen. "Schau nach unten, auf die Felsen. Siehst du ihn?" Der Mann konnte nichts erkennen. "Wen meinst du?", fragte er. "Du musst dich weiter nach vorne lehnen." Der Mann tat es, doch auf den Felsen war niemand. "Wen siehst du?" Doch das Mädchen sagte nur, er solle sich noch weiter über das Geländer beugen. Der Mann tat es, er hatte schon Mühe, die Balance zu halten, als ihm das Mädchen endlich eine Antwort gab: "Den Tod!"

Im selben Moment gab sie ihm einen Stoß von hinten. Der Mann fiel über das Geländer und starb.

Das Mädchen jedoch blickte nur nach unten und sagte: "Neunundzwanzig, neunundzwanzig, neunundzwanzig..."

 

 

unbekannter Verfasser

überarbeitet von Smaja

 

Das Silberbein

 

Es war einmal ein Mann, der war der einzige Diener im Schloss eines Grafen. Nach langer Zeit starb der Graf und er hatte seinen gesamten Besitz dem Diener vererbt. Beide waren einmal Soldaten gewesen und beide hatten im Krieg ein Bein verloren, der reiche Graf hatte sich ein Silberbein gekauft und der Diener ein Holzbein. So dachte sich der Diener, dass der Graf sein Silberbein ja nun nicht mehr brauchte und er tauschte sein Holzbein gegen das Silberein des Grafen. Als er aber nachts in seinem Zimmer im Schloss lag, hörte er eine furchterregende Stimme: "Wo ist mein Silberbein? Wo?" Es klang, als würde jemand langsam und ungelenk die Teppe hinaufsteigen. Nach einiger Zeit wurde es wieder ruhig und am nächsten Morgen dachte der Diener, dass er alles nur geträumt hätte. Doch in der nächsten Nacht konnte er wieder Schritte hören; jemand schien die Treppe hinaufzugehen, den Gang eintlang und die Stimme sagte: "Wo ist mein Silberbein?" Am Tag darauf brachte der Diener den Sarg des Grafen in den tiefsten Kerker des Schlosses und trotzdem konnte er nachts keine Ruhe finden. Nachdem er einige Stunden wach gelegen hatte, hörte er Schritte auf der Treppe und schließlich auf dem Gang. "Wo ist mein Silberbein? Wo ist mein Silberbein?" Der Diener schloss die Augen und für kurze Zeit war alles still. Dann öffnete jemand die Schlafzimmertür und das letzte, was der Diener hörte war: "Da ist mein Silberbein!"

 

 

unbekannter Verfasser

überarbeitet von Smaja

 

Die Mutprobe

 

Einst traf ich im Park einen jungen Mann von vielleicht 20 Jahren, der sah aus wie jeder andere, nur sein Haar war schneeweiß. Wir kamen ins Gespräch und irgendwann fragte ich ihn, weshalb seine Haare so weiß waren. Da erzählte er mir seine Geschichte:

"Vor langer Zeit, ich bin gerade zwölf geworden, gründete ich mit vier Jungen aus unserem Viertel eine Bande. Ein Jahr später zogen einige Leute in unsere Straße, darunter ein Junge in meinem Alter, und eines Tages fragte er uns, ob er in unsere Bande kommen könnte. Wir beschlossen, zuerst eine Mutprobe zu machen und führten ihn um Mitternacht in einen nahe gegenen Wald, wo eine alte, verlassene Villa stand, von der kaum jemand wusste. Der Junge sollte an jedes der 13 Fenster, von denen sich das letzte oben in einem Turm befand, eine Kerze stellen, und so betrat er die Villa. Nacheinander flammten die Kerzen in den ersten Stockwerken auf, doch nach der zwölften Kerze im vierten Stock geschah lange nichts mehr. Irgendwann beschlossen wir, nach oben zu gehen und liefen die Treppe zur Tür hinauf. Diese war verschlossen, wir konnten das Haus aber durch ein Fenster betreten. So stiegen wir bis zu dem Turmzimmer hinauf. Es war klein und wirkte wie eine Abstellkammer, voller Kisten und Gerümpel. Da hörten wir einen furchterregenden Schrei: "Verschwindet! Verlasst mein Haus!" Und ganz hinten in dem kleinen Zimmer konnten wir eine Gestalt erkennen, eine uralte Frau mit schneeweißen Haaren saß dort auf einer Kiste. Wir rannten aus dem Haus zurück in die Stadt und riefen die Polizei. Doch als diese kam, lag das Haus in Trümmern und von dem Jungen fehlte jede Spur. Als einige Wochen später die Trauerfeier stattfand, trafen wir zum ersten Mal die Mutter des Jungen. "Es ist eure Schuld, dass mein Sohn tot ist. An eurem 18. Geburtstag sollt ihr alle weiße Haare bekommen und an eurem 25. wird jeder von euch wahnsinnig werden!" Ich weiß nicht warum, aber nachdem sie das gesagt hatte, sah sie mich durchdringend an, und ich erkannte in ihr die Frau im obersten Turmzimmer wieder."

 

 

unbekannter Verfasser

überarbeitet von Smaja

 

Der Schutzengel                                                                  beruht auf einer wahren Begebenheit                

 

Es lebte einmal ein kleines Mädchen namens Mia mit seinen Eltern und seinen beiden Brüdern in einem schönen, großen Haus am Rande einer kleinen Stadt. Als Mia sechs Jahre alt wurde, bekam sie von ihrer Großmutter ein wunderschönes Bild von einem Engel mit ausgestreckten Armen und großen Flügeln geschenkt. Sie hängte es über ihr Bett, und konnte von da an ruhiger und friedlicher schlafen als zuvor, denn sie hatte das Gefühl, von einem Schutzengel bewacht zu werden.

Als Mia einige Jahre darauf nach der Schule in ihr Zimmer kam, lag das Bild auf dem Boden, der Rahmen war zerbrochen und in der Leinwand war ein langer Riss. Mia begann zu weinen und ihre Eltern und ihre Brüder kamen herein um sie zu trösten; wei das Unglück geschehen war, wusste allerdings keiner von ihnen. Nach einiger Zeit hatte sich Mia wieder beruhigt und alle konnten wieder ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen. Gerade als Mia mit ihren Hausaufgaben beginnen wollte, rief ihre Mutter die ganze Familie zusammen. "Ich habe gerade einen Anruf erhalten", sagte sie als alle da waren. "Großmutter ist heute Nachmittag gestorben."

 

 

unbekannter Verfasser

überarbeitet von Marlendra

 

Die Hütte im Wald

 


Es war einmal ein Mann mittleren Alters, der eines Tages einen Spaziergang im Wald unternahm. Doch als es Abend wurde und er den Heimweg antreten wollte, kam ein dichter Nebel auf und er konnte nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen. Auf der Suche nach dem richtigen Weg verirrte er sich mehr und mehr im Wald und kam schließlich zu einer kleinen Holzhütte. Da er nicht glaubte, den Weg an diesem Abend noch zu finden, beschloss er, die Nacht in der Hütte zu verbringen. Glücklicherweise war die Tür nicht verschlossen und er kam in einen kleinen Raum. Er legte sich auf den Teppich um zu schlafen, aber weil die Wände mit unzähligen realistisch gemalten Porträts von furchteinflößenden Menschen, die ihn mit stechenden Blicken zu beobachten schienen, übersät waren, konnte er erst spät einschlafen. Als der Mann am folgenden Tag erwachte, und die Hütte wieder verlassen wollte, bemerkte er jedoch, dass an den Wänden keinesfalls Bilder hingen, nein, es gab nur unzählige Fenster...

 

 

unbekannter Verfasser

überarbeitet von Marlendra

 

 

Die Clownsfigur                                                                      beruht auf einer wahren Begebenheit 

 

 

Es war einmal ein Mädchen namens Olivia, sie war 17 Jahre alt und passte ab und zu auf das Kind der Nachbarn auf. Als diese eines Abends weggingen, trugen sie Olivia auf, das zweijährige Kind um acht Uhr ins Bett zu bringen. Im Schlafzimmer fiel ihr eine große Clownsfigur auf, die bei ihrem letzten Besuch nicht da gewesen war. Sie wirkte sehr real, schon weil sie etwas größer als Olivia war. Auch das Kind starrte sie an und wollte nicht einschlafen. Schließlich rief Sarah die Eltern an und fragte, ob sie die Clownsfigur abdecken könnte, da sie dem Kind Angst zu machen schien. "Nimm das Kind und ruf die Polizei", sagte der Vater, "Wir haben keine lebensgroße Clownsfigur!"

 

 

überarbeitet von Smaja

 

Die schreckliche Susi

 

Es waren einmal zwei Mädchen namens Smaja und Marlendra, die mit ihrer Klasse ins Schullandheim fuhren. Sie wurden von ihrer Hausmutter, der jungen, hübschen Susi, empfangen und in drei Zimmer eingeteilt: Es gab ein Zimmer für die Jungen, eines für den Großteil der Mädchen und eines für Smaja, Marlendra, Ananda, Tasonemi, Kaline und Elucia. Während sie ihr Gepäck auspackten und sich ihr Zimmer ansahen, entdeckte Smaja in der Wand neben ihrem Bett ein etwa walnussgroßes Loch und Tasonemi und Marlendra bemerkten, dass sich genau vor dem einzigen Fenster eine Feuertreppe befand, über die jeder einsteigen könnte, wäre das Fenster geöffnet. Bevor sie sich also schlafen legten, schlossen sie das Fenster, um sich vor Einbrechern zu schützen. Sie schliefen noch nicht lange, als Smaja von einem Geräusch geweckt wurde. Sie meinte, Schritte auf dem Gang zu hören und weckte vorsichtshalber ihre Zimmergenossinnen. Marlendra kletterte die Leiter hinunter, um nachzusehen, woher das Geräusch kommen könnte, und da sah sie, dass das Fenster offen stand und schloss es schnell wieder. Kaum hatte sie dies getan, das entstand einen seltsame Spiegelung in der Fensterscheibe. Marlendra meinte eine Person hinter sich stehen zu sehen, doch als sie sich umdrehte, standen dort nur ihre Freundinnen. Sie blickte wieder zum Fenster und sah einen uralte Frau in der Glasscheibe, die aussah wie ihre Hausmutter Susi, nur viele Jahre älter. Sie trug ein weißes Nachthemd und hatte ihr ergrautes Haar zu einem lockeren Knoten aufgesteckt. In der linken Hand trug sie eine Kerze, deren Schein sie über ihr faltiges Gesicht wandern ließ. Als das Licht auf ihre Augen traf, schienen diese Feuer zu fangen, dann wechselten sie ihre Farbe: Die Pupillen srahlten nun in hellstem Weiß und das Weiße der Augen war tiefschwarz geworden. Plötzlich verblasste die Spiegelung und die Mädchen legten sich angsterfüllt wieder in ihre Betten. Nach einigen unruhigen Stunden konnten sie schließlich doch noch einschlafen.

 

Am nächsten Morgen jedoch dachte jedes der Mädchen, das Geschehene sei nur ein Traum gewesen, sprach nicht darüber und dachte auch nicht mehr daran. Als sie am Abend wieder schlafen sollten, schloss Ananda sorgfältig das Fenster und sie legten sich nach oben in ihre Betten. Doch lange konnten sie nicht schlafen, denn Elucia wurde von knarrenden Schritten auf dem Gang geweckt. Sofort weckte sie auch die anderen und sie stiegen die Leiter hinunter. Smaja spürte einen eisigen Lufthauch im Gesicht und stellte erschrocken fest, dass das Fenster offen stand. Schnell schloss sie es und drehte sich zu ihren Freundinnen um, die sie anzustarren schienen. Erst wunderte sie sich darüber, doch dann stellte sie fest, dass sie einen Punkt einige Zentimeter neben ihrem Gesicht betrachteten. Smaja folgte den Blicken der anderen und erkannte in der Fensterscheibe wieder dieselbe Spiegelung wie in der Nacht zuvor. Die gealterte Susi schlich die Treppe hinauf und den Gang entlang. Ihr langes Nachthemd war an manchen Stellen schon von Ruß geschwärzt und die Kerze in ihrer Hand war fast ganz hinuntergebrannt. Gelbliches Wachs tropfte auf ihr Nachthemd, als sie die Kerze langsam anhob und den Schein über ihr Gesicht wandern ließ. In dem Moment, in dem er ihre Augen erreichte, schienen diese in Flammen aufzugehen und wechselten - wie in der letzten Nacht- die Farbe: Die Pupille wurde elfenbeinweiß und das Weiße der Augen verfärbte sich pechschwarz. Dann sah man für einen kurzen Moment ihre rechte Hand, in der sie ein großes, glänzendes Messer hielt. Verängstigt stiegen die Mädchen wieder in ihre Betten und schliefen nach langer Zeit endlich ein.

 

Am nächsten Morgen war den Mädchen klar, dass dies kein Traum gewesen war und deshalb fragten sie ihren Lehrer um Rat; von der geisterhaften Erscheinung aber erzählten sie nichts, um nicht für verrückt gehalten zu werden. Der Lehrer hielt die Angst der Mädchen für übertrieben, doch er wollte nicht daran schuld sein, wenn sie eine ruhelose Nacht verbringen mussten, und so holte er ihnen aus der Küche einen großen, klobigen Holzhammer. Am Abend legten sie diesen neben ihre Betten, achteten darauf, dass das Fenster wirklich geschlossen war und schliefen bald ein. Doch lange schliefen sie nicht, denn Kaline wurde von Schritten auf dem Gang geweckt. Sofort weckte sie die anderen, doch Ananda reichte es: sie glaubte nicht an Spukgeschichten und so versprach sie den anderen auf dem Gang nachzusehen und in Kürze zurückzukehren. Die Mädchen warteten eine Weile, doch Ananda kam nicht wieder. Plötzlich hörten sie einen markerschütternden Schrei. Sofort stürzten sie die Leiter hinunter, blieben aber vor der Tür stehen, weil sie der Mut verlassen hatte. Zögernd sahen sie sich an und dabei bemerkte Tasonemi, dass das Fenster wieder offen stand. Panisch schlug sie es zu und sie sahen wieder die ihnen schon bekannte Spiegelung. Ein blutbeflecktes Messer wurde von Susi aus etwas herausgezogen. Susi, die noch älter aussah als in der Nacht zuvor, stieß ein heiseres Lachen aus und schlich über den Gang in das größere Mädchenzimmer. Sie zog die Tür hinter sich zu und die Spiegelung verblasste; nur die qualvollen Schreie, die aus dem Zimmer drangen, konnten sie hören. Kurz darauf flackerte das Bild wieder auf und sie sahen, wie sich Susi in das Zimmer der Jungen stahl. Ihre Wangen schienen weniger eingefallen als noch wenige Minuten zuvor und auch ein paar Falten waren verschwunden. Sie konnten gerade noch den Zipfel ihres weißen Nachthemdes sehen, da verblasste die Spiegelung schon wieder. Aus dem Zimmer tönten grauenerfüllte, erstickte Schreie und die Mädchen kletterten gehetzt wieder in ihre Betten. Sie klammerten sich zitternd aneinander, aber Marlendra, die wissen wollte, was außerhalb des Zimmers vor sich ging, spähte durch das kleine Loch in der Wand. Sie erschrak beinahe zu Tode, als sie auch auf der anderen Seite der Wand ein Auge erkannte. Es wurde von flackerndem Kerzenschein erleuchtet und schien für einen kurzen Moment zu brennen, bevor es die Farbe veränderte: die Pupille glänzte weiß und das Weiße in den Augen war kohlrabenschwarz geworden. Zuerst saß Marlendra nur geschockt da, doch plötzlich konnte sie wieder klar denken und floh die Leiter hinunter. Die anderen kamen ihr sofort hinterher, da sie sich denken konnten, das Marlendra etwas wahrhaftig Schreckliches gesehen hatte. Sie kletterten alle durch das Fenster auf die Feuertreppe, doch da viel Marlendra der Hammer ein, der vielleicht ihre Rettung sein könnte. Hektisch rannte sie zurück und griff danach, als die Tür sich langsam öffnete. Marlendra versuchte, den Hammer auf Susi zu schleudern, doch der Keil brach ab und vor Schreck ließ sie auch den Stiel fallen. Kaum hatte beides den Boden berührt, verdichtete sich das Holz zu weißem Rauch und löste sich auf. Marlendra versuchte sich mit letzter Kraft am Fenstersims hochzuziehen, doch schon blitzte etwas auf und sie brach zusammen. Die anderen Mädchen sahen Susi hinter ihr stehen, die ihr Messer aus Marlendras Rücken zog und heiser lachte. Auf dem Boden breitet sich eine Blutlache aus, die sich ebenfalls zu weißem Rauch verdichtete. Panisch stürzten die Mädchen die Wendeltreppe hinunter, doch sie erschien ihnen länger als zuvor. Sie dachten schon, sie würde kein Ende nehmen, als sie schließlich um eine Biegung rannten und am Fuße der Treppe die schreckliche Susi erblickten. Sie wirkte beinahe wieder so jung und hübsch wie am Tag, doch das Messer in ihrer Hand war rostiger und blutiger denn je...

 

Verfasser: Smaja und Marlendra

überarbeitet von Marlendra

 

 

Die Grabschänderin

 

Es war einmal ein Taxifahrer, der lebte in einer kleinen Stadt an einem See. Eines Morgens las er in der Zeitung, dass Unbekannte auf dem städtischen Friedhof alte Gräber wieder aushoben. Ein paar Tage später wollte jemand eine Stunde vor Mitternacht ein Taxi am Friedhof haben und er fuhr dorthin. Vor dem Friedhofstor war es dunkel, nur ein schmaler Streifen weißen Mondlichtes drang durch die Blätter der alten Bäume. Der Taxifahrer musste lange warten, da öffnete sich knarzend das Tor und eine junge Frau trat aus dem Schatten. Ihre Hände und ihre Kleidung waren lehmverschmiert. Die Frau ließ sich aus der Stadt fahren, bis sie schließlich, mitten auf einer Landstaße, ausstieg. In der folgenden Nacht wiederholte sich das Geschehen und so ging es noch einige Wochen weiter, ohne dass die Frau auch nur ein Wort sagte. In der dritten Woche fragte der Taxifahrer nach dem Namen der Frau, doch diese antwortete nicht. "Sind Sie die Frau, die nachts die Gräber aushebt?", fragte er. Diesmal antwortete sie:

"JAAAAA!"

 

 

unbekannter Verfasser

überarbeitet von Smaja