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Die Portraits in Dorringcort Castle

 

 

Es war einmal ein Adliger namens Richard Dorringcort, der mit seiner Frau und seinen Kindern in ein luxuriöses Landhaus zog. Als er starb, wurde sein Portrait in der Eingangshalle der Hauses aufgehängt. Viele Generationen später lebte der letzte Verbliebene, Matthew Dorringcort, im Haus seiner Vorfahren. Und als er in hohem Alter verstarb, war sein Portrait das letzte, das in Dorringcort Castle aufgehängt wurde.

 

Einige Jahre später zog der elfjährige James Francis Steward mit seiner Familie in das leerstehende Haus der Dorringcorts; die Portraits allerdings blieben in der Eingangshalle hängen, da die alte Haushälterin sie darum gebeten hatte. Und da das Haus so groß war, zogen einige Wochen später auch die Cousine seines Vaters, Katherine Levinson, mit ihrem Mann und den vier Kindern und seine unverheiratete Tante Louisa Steward zu ihnen. Sie lebten einige Wochen glücklich in ihrem neuen Zuhause, bis eines Tages etwas Schreckliches geschah. Als James´ kleine Schwester Grace eines Morgens das Musikzimmer betrat, um ihre Mutter zu suchen, bemerkte sie, das die Balkontüren offen standen und sie trat hinaus ins Freie. Was sie sah, ließ sie laut aufschreien: Das Geländer war teilweise abgebrochen und unten im Garten, neben dem Springbrunnen, entdeckte sie den leblosen Körper ihrer Mutter in einer Blutlache. Der Schock ließ sie taumeln, und plötzlich spürte sie den Boden unter ihren Füßen nicht mehr und stürtzte in die Tiefe, wo der sichere Tod auf sie wartete. Eine Woche lang trauerte der Rest der Familie um die beiden, dann fand die Beerdigung statt. Als James einige Wochen später mit seiner Schwester Lucy, seiner Cousine Lauren und seinem Cousin Brian im Garten war, beschlossen sie, zu dem Teich im hinteren Teil des Gartens zu gehen. Da meinte James, etwas im Schilf liegen zu sehen und als sie näher herangingen, erkannten sie, dass es der tote Herbert Levinson, der Vater von Amy, Brian, Lauren und Perry war. Er war spätabends noch im Garten gewesen und in den Teich gefallen. Anscheinend hatte er sich in einem Geflecht von Algen verstrickt und war so ertrunken. Die Familie trauerte um den weiteren Verlust, James alte Tante Louise jedoch konnte der Trauer nicht standhalten und versank so in tiefe Depressionen und eines Tages fanden James, Lucy und Lauren ihre Leiche, die an einem Strick baumelte. In der Nacht nach der Beerdigung wachte James plötzlich mit einem Schrei auf. Er konnte sich nur vage an einen seltsamen Traum erinnern. Er war durch die Gänge von Dorringcort Castle gerannt, als ginge es um sein Leben, bis er schließlich atemlos in der Eingangshalle ankam. Er sah zur Wand, und dort hingen all die Portraits der Dorringcorts und jedes war mit einem Namenschild versehen. Die Personen starrten ihn aus unergründlichen Augen an, mur in einem Bilderrahmen sah man niemanden. Lediglich ein Tisch auf dem eine Obstschale stand war abgebildet und der Name am Bilderrahmen lautete Maude Lyons. Als er am nächsten Morgen, nachdem er aufgewacht war, wieder in die Eingangshalle kam, fand er dort seine tote Cousine Amy. Langsam blickte  er auf und sah direkt auf das Portrait von Maude Lyons. Sie stand wieder im Bild und auf dem Tischchen neben ihr lag nun ein Buch, das er gestern noch in Amys Zimmer gesehen hatte. Sofort rief er nach seiner Cousine Lauren. Als James ihre Schritte auf der Treppe hörte, wandte er sich um und sah wie sie entsetzt auf Amys Leiche starrte. Lauren kam zu James herunter und ihr Blick fiel ebenfalls auf Maude Lyons' Portrait. "Das Buch!", schrie sie. "Ich habe es gestern noch in Amys Zimmer gesehen!" James sah wie Lauren stockte und rückwärts taumelte. Sie stand vor einem großen Portrait mit prunkvollem Rahmen. Es zeigte Josephine Twist, die ein hübsches Medaillon um den Hals trug. "Ist das nicht Mutters Medaillon?", flüsterte James. "Und dieser Spazierstock hat doch Vater gehört", sagte Lauren. Sie starrten sich erschrocken an, doch sie wussten nicht, was sie von dieser Entdeckung halten sollten. Schnell liefen sie die Treppe nach oben und erzählten ihren Geschwistern Lucy und Brian von den Portraits. "Wir müssen sie beobachten", meinte Brian. Doch dazu kam es nicht mehr. Einige Stunden später fanden sie Charles, James und Lucys Vater, mit einem Dolch im Rücken auf der Veranda liegen. Eiskalt ergriff sie die Furcht. Panisch rannten sie nach oben in Perrys Schlafzimmer - er war der kleine Bruder von Lauren und Brian - und schlossen die Tür. Sie verharrten dort einige Zeit bis ein markerschütternder Schrei nach oben drang. Sie stürmten die Treppe herunter und fanden am Treppenabsatz die Leiche von Brians, Laurens und Perrys Mutter Katherine, die gerade aus der Stadt zurückgekehrt war. Ein unheimlicher Schatten glitt an der Wand entlang. James drängte die anderen in einen geräumigen Schrank. Es herrschte Totenstille. Nur Perrys leises Weinen drang durch die Dunkelheit, doch mit einem mal verstummte auch dieses Geräusch. "Perry?", fragte James. "Er wird nicht antworten", ertönte eine Stimme aus der Dunkelheit. "Nie wieder!" James fuhr herum. Ein kleiner Junge in altmodischer Kleidung saß neben Perrys leblosen Körper. "Meine Familie hat jahrhundertelang in diesem Haus gelebt", sagte der Junge. "Doch zu meines Onkels größten Bedauerns starb unsere Familie nach vielen hundert Jahren aus. Wir wollten nicht, dass eine andere Familie sich unseren Besitz aneignet; ihr aber habt es getan. Eure Familie konnte glücklich und unbeschwert in diesem Haus leben, wir jedoch wurden immer von Unglück und Pech heimgesucht. Deshalb schwor mein Ururgroßvater, sich an euch zu rächen. Als er die Familie zusammenrief, um ihr von diesem Plan zu berichten, stieß er überall auf Zustimmung, denn die meisten Familienmitglieder waren seiner Meinung. Mein Großonkel Oliver Dorringcort hegte große Rachegelüste, da er nie darüber hinweggekommen war, dass die Familie nun aussterben und sich das Haus nicht mehr in unserem Besitz befinden sollte. Kurz darauf starb Herbert Levinson, euer Vater und Onkel, eines mysteriösen Todes. Auch meine Urgroßmutter Maude Lyons war voller Neid auf die junge und kluge Amy, die die Schule besuchen durfte und eine glänzende Zukunft vor sich hatte. Schon bei meiner Geburt bereitete ich meinen Eltern nur Kummer, denn die Ärzte stellten bei mir eine unheilbare Krankheit fest, die schon früh meinen Tod bedeuten sollte. Deshalb konnte ich es nicht ertragen, den kleinen Perry fröhlich und gesund aufwachsen zu sehen." Und mit diesen Worten stieß der Junge die Schranktür auf und es bot sich ihnen ein schrecklicher Anblick: die Ölfarbe auf den Portraits an der Wand schien zu verlaufen und langsam lösten sich die Gestalten der früheren Bewohner des Hauses von ihren Bildern und glitten lautlos auf sie zu...

 

 

Verfasst und überarbeitet von Smaja und Marlendra

Damit ihr die Geschichte besser verfolgen könnt, ist hier der Stambaum der neuen Bewohner von Dorringcort Castle aufgeschrieben
Damit ihr die Geschichte besser verfolgen könnt, ist hier der Stambaum der neuen Bewohner von Dorringcort Castle aufgeschrieben

 

 

Der Alchemist

 


Es war einmal ein alter Mann, der ahnte, dass sein Ende nahe war. Da er sich vor dem Tod fürchtete, suchte er fieberhaft nach einer Möglichkeit, ihm zu entkommen, und als er eines Tages durch die Straßen ging, stieß er auf einen alten, geheimnisvollen Antiquitätenladen. Nach einigem Suchen fand er ein Buch, in dem die Wunder der Alchemie beschrieben waren und er entdeckte die Anleitung zur Herstellung des Steins der Weisen, der einem ewiges Leben versprach. Er nahm das Buch und verließ den Laden mit schnellen Schritten. Doch als er es zu Hause sorgfältig las, stellte sich heraus, dass es für ihn als alten und gebrechlichen Mann unmöglich war, die Zutaten zu beschaffen. Daraufhin studierte er lange und gründlich die Alchemie und so fand er heraus, dass es mithilfe bestimmter Zauberformeln möglich war, einen anderen Geist zu kontrollieren und so machte er sich auf die Suche, um einen solchen Geist zu finden...

 

Eduard, ein junger und kräftiger Handwerker, führte mit seiner Frau und seinen beiden Kindern ein friedliches Leben. Doch als er eines Tages bei der Arbeit war, übermannte ihn mit einem Mal eine eisige Kälte. Er schloss die Tür seiner Werkstatt, doch ihm wurde trotzdem immer kälter, und als er glaubte, es nicht mehr aushalten zu können, wurde alles schwarz.

Als Eduard wieder zu sich kam, hatte er das Gefühl, lange und weit gelaufen zu sein, doch er konnte sich an nichts erinnern, und so vergaß er das seltsame Ereignis bald wieder, doch in den folgenden Wochen wiederholten sich deratige Ereignisse imme häufiger und einmal als der Alchemist wieder Besitz von Eduards Körper und Geist ergriffen hatte, erwachte Eduards Geist, bevor er erwachen sollte und nur noch sein Körper stand unter der Herrschaft des alten Alchemisten; dieser jedoch bemerkte die Veränderung nicht. Mit einem mal fand sich Eduard auf einer belebten Straße wieder und in der Hand hielt er ein Reagenzglas, das mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt war. Er erschrak, als er bemerkte, dass er sich wie von selbst auf ein großes Haus am Ende der Straße zubewegte. Er versuchte, sich gegen die Bewegung zu wehren, doch er war dem Willen des Alchemisten unterworfen. Er öffnete die Tür des Hauses, stieg die Treppe nach oben und betrat einen großen Raum. An den Wänden standen Regale voller Bücher und seltsamer Tinkturen, die in kleine Fläschchen und Gläser gefüllt waren. Eduard ging auf einen alten Mann zu, der in einem Lehnstuhl saß, überreichte ihm das Reagenzglas und verließ dann das Haus. Er lief zu seiner Werkstatt und als er dort angekommen war, hatte er plötzlich die Macht über seinen Körler zurück. Einige Tage später ergriff der Alchemist wieder die Macht über Eduards Körper. Eduard stand im Labor des alten Mannes und gab diesem ein Holzkästchen. Während der Alchemist das Kästchen und seinen Inhalt untersuchte, entdeckte Eduard auf einem Tisch neben ihm ein aufgeschlagenes Buch; die Schrift war allerdings zu klein, als dass Eduard sie entziffern könnte. Doch da der Alchemist seine ganze Konzentration auf das Kästchen gerichtet hatte, spürte Eduard, wie er nach und nach die Macht über seinen Körper zurückgewann. Vorsichtig ging er ein paar Schritte auf das Buch zu, und sah, dass es sich um ein Rezept zur Herstellung des Steins der Weisen handelte, mit dem man ewiges Leben erreichen konnte, und da wurde ihm klar, dass er nur die Marionette des Alchemisten gewesen war, der den Stein der Weisen nicht allein herstellen konnte, und dass er dies um jeden Preis verhindern musste. Ohne nachzudenken wollte er sich auf den Alchemisten stürzen, doch im letzten Moment wurde er von einer unbekannten Macht zurückgeworfen und gegen ein Regal geschleudert, sodass dieses umkippte und sich ein beißender Geruch ausbreitete. Eduard versuchte mit aller Macht den Geist des Alchemisten abzuschütteln und tatsächlich konnte er sich wieder aufrichten. Ein erbitterter Kampf zwischen Eduard und dem alten Mann begann. Der Alchemist versuchte, die Herrschaft über Eduard zurückzuerlangen und dieser kämpfte dagegen an. Doch schließlich legte sich die vertraute Kälte über Eduard und der Alchemist sagte:"Du hast mir alle Zutaten gebracht und nun werde ich mir auch die letzte nehmen!" Und dann kam er, in der Hand ein langes Messer, auf Eduard zu...

 

 

Verfasser: Smaja und Marlendra

überarbeitet von Marlendra