Klassiker

Die schwarze Rose                                                                                                                                                                                                                    

 

Es war einmal eine Frau, die lebte mit ihren drei Töchtern am Rande eines Dorfes, ihr Mann war schon lange tot. Es war Tradition in der Familie, dass die Mutter jedem Kind in der Nacht vor dessen Geburtstag eine rote Rose auf den Nachttisch legte. So ging sie eines Tages, in der Nacht vor dem Geburtstag ihrer ältesten Tochter, in den Blumenladen, um eine rote Rose zu kaufen, doch die Verkäuferin sagte, sie hätte nur noch schwarze Rosen. So kaufte die Mutter also eine schwarze Rose und legte sie ihrem Kind ans Bett. Als sie am nächsten Morgen in das Zimmer kam, war ihre Tochter tot.

Die Familie trauerte lange, aber irgendwann waren sie doch darüber hinweg gekommen und der Geburtstag einer anderen Tochter nahte heran. Wieder ging die Mutter am Tag zuvor in den Blumenladen und wieder sagte die Verkäuferin, dass sie nur noch schwarze Rosen hatte. Die Mutter kaufte die Rose und legte sie ihrer Tochter ans Bett, und als sie am nächsten Morgen in deren Zimmer kam, um ihr zu gratulieren, war sie tot. Bestürzt über den frühen Verlust ihrer beiden Töchter, zog die Mutter sich lange zurück, aber als ihre jüngste - und nun einzige - Tochter Geburtstag hatte, ging sie in den Blumenladen, um eine rote Rose zu kaufen. Wie die letzten Male sagte ihr die Verkäuferin, dass nur noch schwarze Rosen da wären. Die Mutter kaufte eine schwarze Rose und legte sie auf den Nachttisch, diesmal aber nahm sie eine Axt aus dem Keller und setzte sich ans Bett ihrer Tochter. Als die Uhr zwölf mal geschlagen hatte, sah sie, wie sich in der Rose etwas bewegte: Langsam tat sich zwischen den Blättern ein Spalt auf und heraus kroch eine schneeweiße Hand mit schwarzen Nägeln, dann der Arm, und langsam bewegte sich die Hand auf das kleine Mädchen zu und legte sich um ihren Hals. Erstarrt vor Schreck bewegte sich die Mutter zunächst nicht, doch dann griff sie mit einem Schrei nach der Axt und schlug die Hand ab. Diese löste sich in weißem Rauch auf, doch die Tochter war schon tot.

Am Morgen rannte die Mutter in den Blumenladen, und dort stand schon die Verkäuferin. Diese hatte nur noch eine Hand.

 

 

unbekannter Verfasser

überarbeitet von Smaja

 

 

Die Puppe

 


Es war einmal eine arme Frau, die lebte mit ihrem Mann und ihrem Töchterchen in sehr bescheidenen Verhältnissen. Ein paar Tage bevor ihre Tochter sieben Jahre alt wurde, ging die Frau in den Spielwarenladen in der Stadt und kaufte eine einfache Stoffpuppe, die sieben Fingerchen hochhielt, denn für mehr reichte das Geld nicht. An seinem Geburtstag spielte das kleine Mädchen den ganzen Tag mit seiner Puppe, setzte sie am Abend auf die Küchenbank und legte sich dann schlafen. In der Nacht jedoch wurde es von Albträumen heimgesucht und es hörte eine feine Stimme, die immer wieder sagte: "Ich muss nur noch die Treppe hoch, dann bin ich bei dir..." Am Morgen zitterte es vor Angst, doch es spielte wieder mit seiner Puppe und so war die Furcht bald verflogen. Doch auch in dieser Nacht konnte das Mädchen nicht ruhig schlafen, denn es hörte im Traum wieder die Stimme und sie sagte: "Es fehlen mir nur noch zehn Treppenstufen, dann bin ich bei dir..." Als es am Morgen mit der Puppe spielte, vergaß es den Traum bald, doch nachts wurde es nicht in Ruhe gelassen. "Nun fehlen mir nur noch fünf Stufen, dann bin ich bei dir...", hörte es die Stimme in der einen Nacht, "Nun fehlen mir nur noch drei Stufen, dann bin ich bei dir...", in einer anderen, und schließlich: "Ich muss nur noch den Gang entlang gehen, dann bin ich bei dir...", in der darauffogenden. Am Tag verdrängte das Mädchen die Albträume, doch jede Nacht hörte sie die Stimme: "Ich muss nur noch durch die Tür gehen, dann bin ich bei dir...". Und schließlich, in der siebten Nacht, war der Traum schlimmer denn je. "Jetzt bin ich bei dir!", schrie die Stimme immer wieder und als die Mutter ihre Tochter am Morgen wecken wollte, lag das Kind tot im Bett und die Puppe saß auf seinem Kopfkissen und hielt acht Fingerchen hoch.

 

unbekannter Verfasser

überarbeitet von Marlendra

 

Ein Glas Milch

 

Es war einmal ein kleines Mädchen namens Sarah, dem wurde von seiner Großmutter beigebracht, dass Geister sich den Menschen nur zeigen, wenn sie ein Glas Milch wollen. Das Mädchen hoffte, einmal einem Geist zu begegnen, doch dies geschah nie und irgendwann redeten ihre Eltern ihr die Idee aus. Als Sarah 15 Jahre alt war, wurde sie nachts von einem leisen Klopfen geweckt. Sie ging nach unten und sah, dass es drei Uhr morgens war, da hörte sie das Klopfen wieder. Vorsichtig öffnete sie die Haustür und dort stand, zitternd in einem zerfetzten weißen Kleid, ein kleines Mädchen. Einige Sekunden sahen sie sich nur an, dann sagte das Mädchen: "Könnte ich bitte ein Glas Milch haben?" Vewundert ging Sarah in die Küche, holte ein Glas Milch und gab es dem Mädchen. In der Nacht darauf hörte Sarah wieder das Klopfen. Sie ging nach unten, öffnete die Tür und wieder stand das Mädchen dort. "Könnte ich bitte ein Glas Milch haben?" Sarah gab ihr eines und das Mädchen ging. Am nächsten Tag erzählte Sarah ihren Eltern von der seltsamen Begegnung, doch diese sagten, dass es nur ein Traum gewesen wäre. Sarah jedoch hatte beschlossen, das Mädchen in der folgenden Nacht zu fragen, wer sie war. Also stand sie nachts noch vor drei Uhr auf, ging nach unten und füllte ein Glas mit Milch. Doch das Mädchen kam nicht. Nach fast einer Stunde ging sie enttäuscht wieder nach oben, und auch in den nächsten Wochen hörte sie das Klopfen nicht mehr, bis sie es schließlich aufgab. So verging ein Jahr, und manchmal sah sie das Mädchen in ihren Träumen, wie es verzweifelt "Sarah, hilf mir!" rief. Doch irgendwann klopfte es wieder zaghaft an der Tür und wieder stand dort das Mädchen. Bevor es aber etwas sagen konnte, fragte Sarah: "Wer bist du?" Das kleine Mädchen sah sie lange an. "DER TOD!", schrie sie und rannte davon. Sarah wurde am nächsten Morgen tot aufgefunden, neben ihr lag ein ausgeschüttetes Glas Milch. Das Mädchen jedoch zieht noch immer von Haus zu Haus und irgendwann wird es auch an deine Tür klopfen.

 

 

unbekannter Verfasser

überarbeitet von Smaja

 

 

Der Irre

 

Es war einmal ein Ehepaar, das fuhr am späten Abend durch einsame Landstraßen und draußen heulte der Wind schauerlich. Doch plötzlich blieb mitten im Wald das Auto der beiden stehen, denn sie hatten nicht mehr genug Benzin. Sie überlegten, was sie tun könnten und schließlich sagte der Mann:"Ich werde zurück zu der Tankstelle gehen, die wir vor einiger Zeit gesehen haben und einen vollen Benzinkanister holen." "Also gut", antwortete die Frau und so verschwand der Mann im dunklen Wald. Die Frau blieb allein im Auto und da sie sich fürchtete, schaltete sie das Radio an. Gerade wurde eine Gefahrenmeldung herausgegeben und der Sprecher sagte:"Vor ca. zwei Stunden brach aus einer Irrenanstalt im Schwarzwald einer der Patienten aus und befindet sich jetzt vermutlich in der näheren Umgebung. Bitte passen Sie hier besonders gut auf und fahren Sie vorsichtig." Die Frau bekam Angst und so schaltete sie das Radio wieder aus, aber nun konnte sie ein lautes Schlagen auf dem Autodach hören. Sie zitterte vor Angst und hoffte, ihr Mann würde bald zurückkommen. Aber als sie auch nach einer Stunde nichts von ihm gehört hatte, rief sie die Polizei und atmete erleichtert auf, als sie kurz darauf die Sirenen hörte. Schon bald klofte ein Polizist an die Fensterscheibe. "Steigen Sie bitte aus, aber drehen Sie sich nicht um", rief er. Die Frau öffnete vorsichtig die Autotür und stieg aus, doch sie konnte es nicht ertragen, nicht zu wissen, was aus ihrem Mann geworden war, und so drehte sie sich trotz der Warnung des Polizisten zum Auto und sah einen Mann mit irrem Blick darauf stehen, der den Kopf ihres Mannes auf das Dach schlug.

 

 

unbekannter Verfasser

überarbeitet von Marlendra

 

Tropf, tropf, tropf,...

 


Es war einmal eine Frau, die lebte ein sehr friedliches Leben. Sie besaß ein Haus mit einem Garten und einen Hund, der jede Nacht unter ihrem Bett schlief und wenn sie nachts einmal aufwachte, streckte sie einfach die Hand aus dem Bett und ihr Hund leckte sie mit seiner rauen Zunge ab. Eines nachts erwachte die Frau, denn sie hörte ein leises Tropfen. Sie streckte die Hand aus dem Bett und der Hund leckte sie ab, dann stand sie auf und ging nach unten um nachzusehen, aber sie konnte nichts finden, also kehrte sie in ihr Schlafzimmer zurück und legte sich wieder schlafen. Doch auch in der nächsten Nacht hörte sie wieder das Geräusch. Sie ließ sich die Hand ablecken und ging nach unten um nachzusehen, aber auch in dieser Nacht konnte sie nichts finden. In der dritten Nacht erwachte sie abermals von dem Tropfen. Sie streckte die Hand aus, der Hund leckte sie ab und dann stieg sie hinab in den Keller, denn sie meinte, von dort müsse das Geräusch kommen, da sie in der Wohnung nichts gefunden hatte. Sie ging die knarzenden Stufen hinunter, kam in den dunklen, feuchten Kellerraum und sah etwas von der Decke baumeln. Sie machte das Licht an und erkannte, dass es ihr treuer Hund war, der tot an einem Strick hing und dessen Blut auf den Boden tropfte. Sie hob den Blick und sah an der Wand ihr gegenüber einen Schriftzug, der mit dem Blut des Hundes geschrieben war:"Auch Mörder können Hände lecken..."

 

 

unbekannter Verfasser

überarbeitet von Marlendra